Prof. Dr. Christian Schertz, Rechtsanwalt und Honorarprofessor an der Universität Potsdam
„Jura ist das pralle Leben. Man beschäftigt sich mit Menschen und Lebenssachverhalten“.
Unwahre Berichterstattung, Verletzung der Privatsphäre, Rufschädigung – manchmal hat man nur eine knappe Stunde, um zu verhindern, dass über eine Person dank Social Media oder Yellow Press ein Shitstorm hereinbricht und sie auf Basis fehlender Tatsachen öffentlich vorgeführt wird. Dann ist Rechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz für seine Mandant:innen zur Stelle. Sein Steckenpferd: Presse- und Persönlichkeitsrecht. Christian Schertz ist Deutschlands bekanntester Medienanwalt und als radikaler Interessenvertreter unter Jounalist:innen ein „gefürchteter“ Name.
In seiner Kanzlei Schertz Bergmann am Kurfürstendamm in Berlin bereitet er mit seinem Kanzleipartner Simon Bergmann und ihrem gemeinsamen Team Rechtsverfahren für deutsche Politiker:innen, Sportler:innen, Künstler:innen, Unternehmen, Hollywoodstars aber auch unbekannte Personen vor, die Gegenstand von öffentlicher Berichterstattung geworden sind. Außerdem arbeitet Prof. Dr. Christian Schertz in der Lehre an den brandenburgischen Hochschulen: aktuell in der Rolle des Honorarprofessors an der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam. Nach einem Studium in Berlin, München und einem Referendariat in New York hat er ganz bewusst die Metropolregion Berlin/Brandenburg als seinen beruflichen Wirkungsort gewählt und begeistert neben seiner Tätigkeit als Anwalt seit vielen Jahren Studierende für das Presse- und Persönlichkeitsrecht. Warum das so ist, berichtet er uns im folgenden Interview.
„Jura ist das pralle Leben. Man beschäftigt sich mit Menschen und Lebenssachverhalten“.
Die klassischen anwaltlichen Tätigkeiten. Jeder Fall beginnt mit einem Mandantengespräch, in welchem man vor allen Dingen den Sachverhalt klären muss. Die Sachverhaltsklärung ist eine der wichtigsten Aufgaben des Anwalts, bevor er die Rechtslage prüft. Die für mich spannendste Aufgabe als juristischer Berater ist dann, die für den Mandanten beste Lösung zu finden. Das ist nicht selten die Geltendmachung von Ansprüchen. Manchmal muss man auch vermittelnd tätig werden und eine Gesamtlösung mit dem Gegner finden. Da gibt es keine schematische Lösung.
In Berlin und München. Im Referendariat habe ich eine Station bei einer Anwaltskanzlei in New York absolviert.
Mir war ziemlich klar, dass ich nicht in den Staatsdienst will, zumal mein Vater und mein Bruder bereits Richter waren. Unabhängig davon hat sich relativ schnell für mich herauskristallisiert, dass ich Rechtsanwalt werden will, insbesondere, weil es ein freier Beruf ist, in dem man letztlich das höchste Maß an Selbstbestimmung von allen juristischen Berufen haben kann und die persönliche Freiheit war mir von Anfang an wichtig. Die Hochschule konnte mir zu den Berufsfragen nicht viel weiterhelfen. Da ging es erst einmal um das Vermitteln von materiellem Recht.
Ich empfehle tatsächlich, möglichst viele Praktika zu machen, bei Gericht, in Behörden aber auch in Anwaltskanzleien, um sich ein eigenes Bild von den jeweiligen Berufen zu machen.
Ich bin überzeugter Humanist. Für mich ist der Mensch das Maß aller Dinge, auch bei meiner anwaltlichen Tätigkeit. Ihn zu schützen, etwa vor medialer Vorführung, ist meine berufliche Aufgabe und Verpflichtung. Das Studium der Rechtswissenschaften hat mehrere Vorteile. Man lernt natürlich Disziplin, die in späteren juristischen Berufen ebenso wichtig ist wie im Studium. Man sollte aber selbstverständlich das Leben nicht vergessen. Gerade die Einflüsse und Erfahrung, die man jenseits des Studiums macht, sind auch später in der Berufsausübung nicht unwichtig. Ich habe z. B. während meines gesamten Studiums beim Rundfunk als Aufnahmeleiter gearbeitet und habe daher bereits damals Erfahrungen im Mediengeschäft machen können, die mir heute noch helfen, Zusammenhänge zu verstehen. Zudem habe ich während des ganzen Studiums noch in einer Band gespielt. Gerade weil ich viele Künstlerinnen und Künstler vertrete, ist es wichtig, zu musischen Menschen einen schnellen Zugang zu haben. Als Jurist wird man darin geschult, Sachverhalte schnell zu erfassen und darauf zu reduzieren, worum es eigentlich geht. Insofern hilft das Studium auch in anderen Lebensbereichen.
Ich habe viele Erinnerungen an mein Studium, sehr viele schöne und auch witzige. Insbesondere habe ich es genossen, in verschiedenen Städten zu studieren. So bin ich noch heute gerne in München, weil ich die Stadt einfach kenne und mag und auch die Mentalität der Bayern, und das als Preuße. Eine meiner prägendsten Begegnungen war meine Professorin Jutta Limbach, bei der ich zum einen Zivilrecht gehört aber auch Zwischenprüfung gemacht habe. Sie war die spätere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und hat mich früh gelehrt, dass der Volkszorn keine Maxime bei juristischen Beurteilungen sein darf, etwa bei Urteilen von Gerichten. Diese Erkenntnis ist heute wichtiger denn je.
Sicherlich war für mich der Umstand, dass ich aus einer Juristenfamilie stamme, nicht unwichtig. Allerdings war es nicht der entscheidende Punkt. Ich suchte ein studium generale, um möglichst nach dem Abschluss eine freie Auswahl für viele Berufe zu haben und da ist Jura nahezu unschlagbar. Für mich war klar, dass ich die ersten Semester an der Freien Universität Berlin studiere. Die 80er waren in Berlin einfach sehr spannend. Ebenso wollte ich aber von vornherein auch noch einmal woanders sein und habe mich daher für München entschieden. Als Alternative stand auch Freiburg zur Wahl.
Berlin ist im Augenblick, so ungemütlich es manchmal ist, für eine Kanzlei in meinem Bereich der wichtigste Standort. Hier sitzt die Politik, hier sitzen die meisten Medien. Die Wege zu den Mandanten aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport sind kurz. Potsdam war für mich immer schon ein Sehnsuchtsort und ich hatte schon ca. 10 Jahre als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Film und Fernsehen KONRAD WOLF in Babelsberg gelehrt.
Zunächst einmal hat die Juristische Fakultät hervorragende Professorinnen und Professoren. Das gilt sowohl für die Lehre als auch für die Wissenschaft. Zudem mag ich den Campus. Der Campus Griebnitzsee erinnert mich an amerikanische Universitäten. Außerdem ist die Fakultät sehr kompakt. Man hat keine weiten Wege. Alles ist an einem Ort, was auch die Möglichkeiten des gegenseitigen Austausches befördert.
Ich freue mich, dass wir dort als eine der wenigen Juristischen Fakultäten inzwischen mit meinen Kolleginnen und Kollegen den Schwerpunkt „Medienrecht“ als solitäres Rechtsgebiet anbieten können, zumal es in der Praxis immer relevanter wird und sich zahlreiche berufliche Möglichkeiten erschließen.
Offen gesagt habe ich für mich all das erreicht, was ich wollte. Ich kann sowohl als Anwalt jeden Tag Menschen aufgrund meiner Profession in meinem speziellen Rechtsgebiet davor schützen, dass sie einer medialen Vorführung ausgesetzt sind und zudem bin ich jetzt seit 30 Jahren durchgehend in der Lehre tätig und kann jungen Studierenden meine Erfahrungen aus der Praxis vermitteln und zugleich das Rechtsgebiet, in dem ich nun einmal spezialisiert bin, das Persönlichkeits- und Presserecht. Ich brauche also kein weiteres Amt. Es wurde mehrfach an mich herangetreten, politische Ämter zu übernehmen, was ich aus Gründen der persönlichen Freiheit regelmäßig abgelehnt habe.
Ich motiviere Studierende der Rechtswissenschaften dazu, durchzuhalten. Es ist nach wie vor eine der ganzheitlichsten Studien, die man absolvieren kann. Zudem wartet auf einen in allen juristischen Berufen auch ein spannendes Berufsleben. Ich sage immer: „Jura ist das pralle Leben.“ Man beschäftigt sich mit Menschen und Lebenssachverhalten.
Im Green Valley Deutschlands, sprich im Land Brandenburg, wimmelt es von Freiberufler:innen und Kleinstunternehmer:innen sowie Autor:innen, Architekt:innen, Designer:innen, bildenden Künstler:innen, Software- und Game-Entwickler:innen, Forscher:innen, Schauspieler:innen, Musiker:innen, Produzent:innen, Journalist:innen und Werbeagenturen, sogar Politiker:innen und Umweltschützer:innen und, wie eben berichtet, Rechtsanwält:innen. Finde deinen Wunschstudiengang – am besten an einer der brandenburgischen Hochschulen😉und entdecke genau hier in der spannenden Metropolregion Berlin/Brandenburg, wie Prof Dr. Christian Schertz, deine berufliche Laufbahn! Wir sagen „Danke fürs Interview Herr Schertz!“ und wünschen Ihnen für Ihre Tätigkeit als Anwalt und Honorarprofessor an der Uni Potsdam alles, alles Gute!
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