Normalerweise hat sich Anne ganz gut im Griff, nicht die Augen zu verdrehen, aber bei dieser Frage geht es nicht anders. „Und was willst du später werden?“ Fehlt nur noch, dass Tante Inge ihr in die Wange kneift und „dududu“ macht. Der Geburtstagskaffee von Annes Großmutter fing eigentlich ganz harmlos an, aber irgendwie landet das Gespräch immer wieder beim bestandenen Abitur und was Anne jetzt, wo sich der Juli dem Ende zuneigt, machen will.

„Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!“, poltert ihr Großvater. Anne erinnert sich, dass er das vor zwölf Jahren zu ihrer Einschulung auch gesagt hat. Anscheinend wird das Leben immer ernster, je älter man wird. Dabei ist für Anne das Glas eigentlich immer halb voll. Aber mit Blick auf die Zukunft, hat sie tatsächlich ein bisschen Bauchschmerzen. Zwar erklärt sie Tante Inge nochmal den Plan ein freiwilliges soziales Jahr zu machen. Aber das ist eher ein Alibi, die Fristen laufen in drei Wochen ab und beworben hat sie sich noch nicht. Was soll sie nur tun?

Puh, was für ein Tag

Abends wirft sie sich entnervt aufs Bett. Sie ist nicht lange alleine, als ihr Bruder Ben ins Zimmer tänzelt. Er balanciert ein Tablett mit Knabberzeug und Limo und ein paar Broschüren. „Geht’s noch?“, fragt Anne, während er es sich schon auf dem Sitzsack bequem macht. „Jaja, bei mir ist alles bestens“. Ben legt eine unverschämt gute Laune an den Tag, vielleicht auch deshalb, weil er den Geburtstag der Großmutter geschwänzt hat.

Insgeheim beneidet Anne ihren Bruder, der scheinbar schon immer wusste, dass er Tischler werden wollte. „Du siehst nicht gerade glücklich aus in letzter Zeit. Immer wenn dich einer fragt, was du werden willst, machst du ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Also, gehen wir das Ganze mal systematisch von A bis Z durch.“, sagt er und liest aus einem der Hefte vor, „Abfall- und Entsorgungstechnik.“ Anne starrt in sein erwartungsvolles Gesicht „Häh?“. Ben zückt einen Stift und lässt ihn über der Liste schweben. „Ja, nein, vielleicht? Ich gehe die Fächer und Berufe durch und du sagst, ob es dich interessiert.“

Nach einigem Zögern kommen die beiden in Fahrt. Es wird schnell klar, dass Anne weder Asphaltbauer: in noch Bauingenieur: in wird. Sie will kein Parkett legen und mit Kirchenmusik hat sie auch nichts am Hut. Nur bei Holzspielzeugmacher: in wird sie kurz schwach und bei der Fachkraft für Fruchtsaft-Technik kriegt sie einen Lachanfall. Aber eigentlich gar keine so schlechte Idee, die Berufe, die nicht in Frage kommen, auszuschließen. Auf Annes Zettel stehen am Ende vor allem Studienfächer: Altertumswissenschaften, Buchhandel, Dolmetschen, Journalistik, Kulturmanagement und einige „Reserve“-Fächer. An diesem Abend geht sie mit einem Kribbeln im Bauch schlafen, weil diese Liste konkreter ist als alles, was sie sich bisher unter Berufswahl vorgestellt hat.

Anne legt los

Am nächsten Tag fährt Anne an ihren Lieblingsort in ihrer Heimatstadt – die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam. Im Katalog hat sie ein paar Bücher herausgesucht. Als der Bibliothekar Wind davon bekommt und ihre Liste mit möglichen Berufen auf ihren Tisch sieht, meint er schmunzelnd: „warum wirst du nicht FAMI? Wir haben noch eine Ausbildungsstelle frei.“ Da Anne ihre Verwirrung anzusehen ist, legt er ihr eine Infobroschüre zur Fachangestellten für Medien und Information mit Fachrichtung Bibliothek hin. Eine Ausbildung? Zur Bibliothekarin? Da hat Anne gleich Filzrock, Pullunder und Hornbrille vor Augen. Aber sie will mehr als nur „pst“ machen und grimmig gucken, wenn jemand zu laut spricht – so stellt sie sich zumindest den Berufsalltag vor.

Anne beginnt im Netz zu recherchieren und wird vom Bibliothekar aufgeschreckt. „Wir schließen in 15 Minuten.“ Wo ist nur die Zeit geblieben? Zuhause stürmt sie mit einem schwer beladenen Rucksack und einer großen Auswahl bekritzelter Zettel in das Zimmer ihres Bruders. „Du hast da was.“ grinst er, als er die roten Flecken auf den Wangen seiner Schwester sieht. „Guck dir das an.“ drängt ihn Anne und macht feinsäuberliche Häufchen von Büchern und Notizen auf dem Teppich.

Kurz vorm Ziel und dann?

„Ich hab alles recherchiert über Bibliothekswissenschaft und Informationswissenschaften, wusstest du, dass man FAMI in fünf Fachrichtungen machen kann? Und die machen tatsächlich mehr als nur „pst“ und dann gibt es noch Informations- und Datenmanagement, wusstest du, dass man sowas studieren kann?“, Anne ist in Fahrt und referiert noch eine Viertelstunde weiter, bis Ben in die Hände klatscht und meint: „Und was davon willst du jetzt machen?“ Anne sinkt zusammen wie ein angestochener Luftballon. Daran hatte sie in ihrem Eifer gar nicht mehr gedacht. Beide schweigen eine Weile. Anne ist ihrem Bruder total dankbar, dass er keine blöden Kommentare macht.

Anne merkt schließlich, wo der Haken ist. „Was ist, wenn mir später ein anderes Fach besser gefällt?“ Ben scheint auf alles eine Antwort zu haben „Weißt du wie viele Studiengänge und Ausbildungsberufe es in Deutschland gibt? Die kannst du niemals alle durchprobieren.“ „Aber verpasse ich dann nicht was?“, meint Anne und fühlt sich etwas erschlagen von der Erkenntnis. Aber Ben weiß auch hier Rat „Ich weiß, ich klinge jetzt wie Tante Inge, aber man kann tatsächlich nicht alles haben im Leben. Ich glaub du musst den Beruf finden, wo du dir beides gut vorstellen kannst: zum einen es zu werden, es zu lernen und zum anderen, es für den Rest deines Lebens zu machen.“

Nach diesem großen Haufen brüderlicher Weisheit, muss Anne ihren Bruder erstmal fest drücken. Am Morgen geht sie die Stapel durch und stellt sich immer wieder die Frage: Was will ich werden, was will ich sein? Zwar kann sie sich den Beruf der Bibliothekarin vorstellen, aber die Ausbildungs- oder Studieninhalte fesseln sie nicht so wirklich. Die Vorlesungen für Informations- und Datenmanagement sind zwar interessant, aber Anne zweifelt ob sie damit langfristig glücklich wird. Dann entdeckt sie den Zettel wo sie Schriftkunde drauf gekritzelt hat. Wozu gehörte das noch gleich? Zum Bachelorstudiengang Archiv an der Fachhochschule Potsdam.

Es macht „Pling“

Anne hält unbewusst die Luft, je weiter sie sich die Fächerübersicht anschaut. Ein bisschen Geschichte ist mit drin, Informatik, aber nicht zu viel, Medien, Informationsrecht und Historische Hilfswissenschaften. Das klingt ein bisschen geheimnisvoll, aber der Studienwahl-Assistent macht sie neugierig und zeigt auch Möglichkeiten, wie es nach dem Studium weitergehen kann. Und das Beste ist, der Studiengang wird an der Fachhochschule Potsdam angeboten. Da kommt sie mit den Öffentlichen ganz gut hin. Zumindest besser als ins sechs Stunden entfernte Marburg, wo die Archiv-Ausbildung im Öffentlichen Dienst angeboten wird. Sie nutzt den WhatsApp-Chat des Netzwerks Studienorientierung Brandenburg, um rauszubekommen, ob es irgendwelche Zugangsbeschränkungen gibt. Aber der Bachelorstudiengang Archiv ist – welch Glück – zulassungsfrei.

Drei Tage später steht sie mit klopfendem Herzen vor dem Hauptgebäude der Fachhochschule Potsdam, eine beglaubigte Kopie ihres Abi-Zeugnisses, den Einzahlungsnachweis des Semesterbeitrags und den Versicherungsnachweis eng an sich gedrückt. Eigentlich hätte sie das auch per Post schicken können, aber so kann sie gleich mal den Campus kennenlernen. Die Einschreibung über das Online-Portal ging ratzfatz. Daten eingeben, Scan vom Abiturzeugnis hochladen, abschicken und dann „Pling!“ die Mail „Willkommen an der Fachhochschule Potsdam“. Sie gibt ihre Unterlagen am Empfang ab. Das war es. Anne ist jetzt Studentin. Sie schaut sich die Bibliothek und den Campus an, lässt sich im Campusgarten den Wind um die Nase wehen und kann es selbst kaum glauben.

Erst als sie zu Hause auf die Terrasse kommt, erinnert sie sich, dass sich Tante Inge ja zum Kaffee angekündigt hat. Das erklärt auch Bens säuerliche Miene, die sich aber schnell ändert, als Anne hereinrauscht. „Na, wo hast du dich schon wieder herumgetrieben? Solltest du dir nicht Gedanken um deine Zukunft machen?“, äußert sich ihre Tante pikiert über Annes Verspätung. „Ja, habe ich gemacht, ich werde Archivarin.“ erklärt sie einer verblüfften Tante Inge, klatscht sich mit Ben ab, schnappt sich einen Keks und lehnt sich zurück um den Schwall an Fragen zu beantworten, der ihr entgegenschwappt.

 

So schnell kann es gehen. Und plötzlich bist du Student: in – wie Anne. Wusstest du eigentlich, dass im Land Brandenburg die meisten Studiengänge zulassungsfrei sind? So hast du, auch als „Spätie“;-), noch alle Möglichkeiten, deinen Wunschstudiengang zu finden. Im Podcast der Campusspezialisten der Fachhochschule Potsdam erzählt dir Carolin, die Autorin dieses Blogartikels, zusammen mit einem Kommilitonen mehr über die Studiengänge Archiv und Bibliothekswissenschaft. „Reinhören lohnt sich!

Weitere Inspirationen und Last-Minute-Insiderwissen rund um deine Studienwahl bieten dir die regelmäßigen #meetyourstudentmonday Insta-Lives auf @deine.stubb, der WhatsApp-Messenger-Chat mit den Studienberatungen aller Brandenburgischen Hochschulen sowie natürlich alle Infos auf studieren-in-brandenburg.de.

 

Dein Kontakt zu den Studienberatungen der Brandenburgischen Hochschulen.

Dein Kontakt zur Fachberatung des Studiengangs Archiv der Fachhochschule Potsdam:

Prof. Dr. Michael Scholz
T: +49 331 580-4528
michael.scholz­@fh-potsdam.de

Dein Kontakt zur Fachberatung des Studiengangs Bibliothekswissenschaften der Fachhochschule Potsdam:

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